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21.09.2026
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Was wären wir Menschen ohne Bäume? Wir wären wahrscheinlich erst gar nicht hier. Bäume boten und bieten uns ideale Lebensräume. Und sie versorgen uns mit Nahrung und Holz.
Bäume hatten und haben auch Einfluss, wie wir uns als Menschen in der Welt verorten. Bäume spielen in vielen Mythologien eine herausragende Rolle. Für viele Kulturen waren und sind Bäume heilig.
Alexander von Humboldt soll gesagt haben: «Habe Ehrfurcht vor dem Baum. Er ist ein einziges grosses Wunder und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen niederer Gesinnung.»
Inhalt
- Heilige Bäume in Europa
- Heilige Bäume in Asien
- Heilige Bäume in den Amerikas
- Bäume als Brüder und Schwestern
- Bäume als Symbol für das Leben
- Bäume steigern unser Wohlbefinden
Heilige Bäume in Europa
In unserer europäischen Geschichte scheinen Bäume besonders in den germanischen und keltischen Gemeinschaften eine bedeutende Rolle gespielt zu haben.
Bei den Germanen wurde der Weltenbaum Yggdrasil verehrt. Der isländische Gelehrte Snorri Sturluson beschrieb im 13. Jahrhundert, wie dieser Baum das Universum wie eine lebendige Säule durchdringt. Durch Yggdrasil werden Asgard (Welt der Götter und grossen Hallen), Midgard (Welt der Menschen) und Helheim (Welt der Toten) miteinander verbunden. Ein Baum als Achse der Welt. Und als Verbindung zu anderen Welten.
An diesem Weltenbaum erhielt der germanische Gottvater Wotan die Zauberkraft der Runen, nachdem er neun Nächte lang am Baum hing.
Auch die ersten Menschen werden in der nordischen Mythologie mit Bäumen in Verbindung gebracht. Nach einer Überlieferung erschaffen die Götter aus zwei Baumwesen Ask und Embla die ersten Menschen.
Der römische Chronist Tacitus schrieb, dass die Wälder für Germanen heilig seien.
Überliefert ist auch, dass die Germanen, die nach der Völkerwanderung im heutigen Fritzlar (Hessen) lebten, einen geweihten oder heiligen Baum hatten: Die Donareiche. Der christliche Missionar Bonifatius liess in Folge der Christianisierung diesen Baum fällen – und baute eine Kapelle daraus.
Auch in der jüdischen und christlichen Tradition haben Bäume eine wichtige symbolische Bedeutung. In der biblischen Schöpfungsgeschichte stehen der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse im Garten Eden.
Adam und Eva essen von der verbotenen Frucht des Baumes der Erkenntnis und müssen daraufhin das Paradies verlassen. Übrigens wird in der Bibel nicht ausdrücklich von einem Apfel gesprochen. Diese Vorstellung entwickelte sich erst in späteren Traditionen.
Der Baum des Lebens erscheint auch an anderen Stellen der Bibel als Symbol für Leben und Heil. Bäume sind damit nicht nur in vorchristlichen europäischen Traditionen, sondern auch im Christentum wichtige religiöse Symbole.
Auch in der jüdischen Mystik, der Kabbala, spielt der Baum des Lebens eine wichtige Rolle. Hier wird er als symbolische Darstellung der göttlichen Schöpfung und der Verbindung zwischen Gott, der Welt und den Menschen verstanden.
Heilige Bäume in Asien
Auch in vielen asiatischen Kulturen und Religionen haben Bäume eine besondere Bedeutung. Sie gelten als Symbole für das Leben, für Wachstum und für die Verbindung zwischen Himmel und Erde.
Im Hinduismus gilt der Ashvattha, die Pappelfeige (Ficus religiosa), als heiliger Baum. Er wird mit verschiedenen Gottheiten in Verbindung gebracht und symbolisiert unter anderem das Leben und die Schöpfung. In der Bhagavad Gita wird ein kosmischer Baum beschrieben, dessen Wurzeln nach oben und dessen Äste nach unten wachsen. Er steht sinnbildlich für die Welt und ihre Verbindungen.
Auch im Buddhismus spielt die Pappelfeige eine wichtige Rolle. Der Überlieferung nach erlangte Siddhartha Gautama, der spätere Buddha, unter einem solchen Baum im heutigen Bodh Gaya in Indien die Erleuchtung. Seither wird dieser Baum als Bodhi-Baum bezeichnet. Das Wort Bodhi bedeutet dabei Erwachen oder Erleuchtung.
Bis heute ist der Bodhi-Baum ein wichtiges Symbol des Buddhismus. In vielen buddhistischen Tempelanlagen wachsen Nachkommen des ursprünglichen Baumes, die von Gläubigen verehrt werden.
Bäume waren auch wichtige Orte im Leben des Buddha. Es ist überliefert, dass er unter Bäumen meditierte und seine Lehren in Wäldern und Parkanlagen weitergab.
Auch in Japan werden im Shintoismus bestimmte Bäume als heilig verehrt. Sie gelten als Wohnstätten oder Orte der Gegenwart von Kami, spirituellen Wesen oder göttlichen Kräften. Solche Bäume sind manchmal mit einem besonderen Seil, dem sogenannten Shimenawa, gekennzeichnet.
Heilige Bäume in den Amerikas
Auch in den präkolumbischen Kulturen Mittelamerikas hatten Bäume eine besondere Bedeutung. Bei den Maya und anderen mesoamerikanischen Kulturen finden sich Darstellungen heiliger Bäume auf Reliefs, in Steinmetzarbeiten und an Tempelanlagen.
Eine wichtige Rolle spielte dabei der Weltenbaum. Er verband nach den mythologischen Vorstellungen der Maya die Unterwelt, die Erde und die himmlische Welt miteinander. In manchen Darstellungen erstrecken sich die Bäume in die vier Himmelsrichtungen. Sie stehen damit symbolisch für die Ordnung des Kosmos und die Verbindung der verschiedenen Welten.
Besonders die Ceiba, auch Kapokbaum genannt, gilt in der Kultur der Maya als heiliger Baum. Mit ihren mächtigen Wurzeln, ihrem Stamm und ihrer weit ausladenden Krone verkörpert sie die Verbindung zwischen Unterwelt, Erde und Himmel.
Bäume als Brüder und Schwestern
Wie kann man diese Häufung mythologischer Symbolisierung und Geschichten in Bezug auf Bäume erklären?
Vielleicht weil uns Bäume so ähnlich sind?
Der Forstwissenschaftler Andreas Roloff schreibt in seinem Buch, dass Bäume für Menschen wie Brüder und Schwestern wären. Und das passendste Bild, um die Menschheit zu symbolisieren: Auch wir stehen aufrecht auf dieser Erde und strecken unsere Arme zum Himmel.
Gleichzeitig machen uns Bäume bewusst, wie bescheiden die Lebensspanne eines Menschen ist. Bäume können uns mit der Zeit und dem Horizont verbinden. Bäume geben uns ein Gefühl von Zeitlosigkeit und verbinden uns mit der Vergangenheit. Der Baum im Wechsel der Jahreszeiten symbolisiert unsere eigene Lebensgeschichte vom Werden und Vergehen.

Bäume als Symbol für das Leben
Bäume scheinen eine spirituelle Sehnsucht zu verkörpern: Ein Leben in Einklang mit Himmel und Erde. Bäume verbinden – wie Yggdrasil – Himmel und Erde.
Hierzu schreibt auch Susanne Fischer-Rizzi in ihrem Buch Bäume der Hoffnung:
«Der Lebensbaum ist das uralte und universelle Symbol für Integration und Wachstum, für das Leben selbst. Dies verbirgt sich auch hinter der Verehrung der Bäume. Die Abbildung des Lebensbaumes erschien mit in diesem Tempel wie ein Urbild unserer Seele, ein Archetypus, ein universelles Bild, das in unsere Seele eingeschrieben und allen Menschen zugänglich ist. Eine Neubelebung unserer alten Verbindung zu Bäumen kann auf diese in unserer Seele verborgene, wirksame Symbol wie einen Lichtstrahl senden und uns wieder mit dem Lebensbaum und der Urkraft des Lebens verbinden»
Bäume steigern unser Wohlbefinden
Bäume schaffen eine Atmosphäre von Ruhe und Frieden, was für viele Menschen entspannend ist und ihre Stimmung verbessert. Vielleicht ist das einer der Auslöser für die gesundheitliche Wirkung von Bäumen auf uns Menschen.
Bäume können uns verbinden: Mit den Kräften der Natur, mit der Zeit, mit dem Leben. Und mit unserer Geschichte als Menschen.
Oder Wie Hermann Hesse schrieb:
„Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit.“
Vielleicht interessiert dich auch der Artikel Die Bedeutung von Bäumen – eine Liebeserklärung?
Über den Autor
Andreas Hunkeler ist Sozial- und Kulturanthropologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Nachhaltigkeit und Mensch-Natur-Beziehungen. Seit 2020 schreibt er für baumbad über Bäume, Stadtökologie und nachhaltige Baumpflege. Inzwischen sind über 100 Artikel entstanden.
Besonders interessiert ihn die Frage, wie Bäume unser Leben bereichern und wie wir unsere Städte und Landschaften so gestalten können, dass Menschen, Tiere und Pflanzen darin gut leben können.
Mehr über Andreas Hunkeler
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